Archiv der Kategorie: Workshops I

Die Workshops finden am Samstag, 21.06. von 10-13 Uhr statt.

Also doch Rechtsfrei ?! Zur Konzeption „rechtsfreier Zonen“ in bestimmten französischen Stadtteilen durch Polizisten und Rapper (Mélina Germes & Andreas Tijé-Dra)

Der französische Begriff zone de non-droit (Rechtsfreie Zone) wird ausschließlich mit Bezug auf sog. Problemviertel bzw. quartiers sensibles verwendet, um die Aufmerksamkeit auf „ständige“ Ordnungswiedrigkeiten, „hohe“ Kriminalität, oder vermeintliche Parallelgesellschaften zu lenken. Gemeint sind bestimmte abgegrenzte Territorien: städtebaulich als Großwohnsiedlungen, institutionell als Zonierungen einer speziellen raumbezogenen Förderpolitik (Politique de la Ville), materiell als konkrete „Containerräume“ der Armut, sozial als stigmatisierte Orte. Der Begriff rechtsfreie Zone verweist dabei auf die (dort besonderen) Schwierigkeiten des policings und der Rechtssprechung, sowie die Idee von Territorien, in denen die Gesetze der französischen Republik keine Gültigkeit (mehr) hätten. Im Kontext dieser längst erforschten „republikanisch-konservativen“ Haltungen zur Verfremdung der banlieues, möchten wir untersuchen, wie der raumbezogene Rechtsbegriff von disparaten Akteuren verhandelt wird – einerseits als legitimierende Ressource zur Intervention, andererseits im Rahmen von Umdeutungen gesellschaftlicher Verhältnisse. In dem Vortrag werden wir sowohl Diskurse als auch Praktiken der Polizei (als hegemonialen Akteur und Staatsapparat) mit denen bestimmter politisierter (in beschriebenem Kontext als gegenhegemonial zu bewertender) Rap-Musiker gegenüberstellen. Beide werden bedeutsam durch gewaltsame Männlichkeitskulturen geprägt. Somit werden wir zeigen, dass die Rede von „rechtsfreien Räumen“ sowie ihrer staatlich angestrengten „Rückgewinnung“ auf einen komplexeren Sachverhalt verweist, der auf hegemonialer wie gegenhegemonialer Seite ambivalente raumbezogene, vergeschlechtlichte Rechtsverständnisse zur Folge hat.

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Recht? – auf Stadt! Eine ak­tio­nis­ti­sche Per­spek­ti­ve auf ak­tu­el­le Kämp­fe um die und in der Stadt (Turn Left)

Die Stadt ist in mehr­fa­cher Hin­sicht ein Raum der Ver­dich­tung. Hier leben, woh­nen und ar­bei­ten un­zäh­li­ge Men­schen mit un­ter­schied­li­chen Er­fah­run­gen von Herr­schaft und Zwang aber auch von Frei­heit und Wi­der­stand. Wir wol­len uns ver­schie­de­ne so­zia­le Kämp­fe auf dem Ter­rain der Stadt an­schau­en. Dabei geht es zum Einen um die kon­kre­ten städ­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen z.B. um Wohn­raum und Frei­räu­me, zum An­de­ren aber auch um Kämp­fe für bes­se­re Ar­beits­be­din­gun­gen, Blei­be­recht, etc. Die For­de­rung nach kon­kre­ten Rech­ten in so­zia­len Kämp­fen möch­ten wir hier­bei eben­so dis­ku­tie­ren wie die For­de­rung auf ein all­ge­mei­nes und über­grei­fen­des Recht auf Stadt.

Buil­ding Our Ci­ties – zur recht­li­chen Si­tua­ti­on von Wan­der­ar­bei­tern auf Groß­bau­stel­len (Mihai Balan)

Egal ob öf­fent­li­che Uni­ver­si­tä­ten, schi­cke Apart­ment­vier­tel oder neue shop­ping malls: deut­sche Städ­te wer­den mit Ein­satz von Wan­der­ar­bei­tern aus Süd­ost­eu­ro­pa ge­baut. Hier­bei sind sie häu­fig ver­schie­de­nen Aus­beu­tungs-​ und Dis­kri­mi­nie­rungs­er­fah­run­gen aus­ge­setzt: So­zi­al-​ und Ar­beits­stan­dards wer­den nicht ein­ge­hal­ten, Löhne nicht ge­zahlt – teil­wei­se wird die Aus­beu­tung von Wan­der­ar­bei­tern sogar durch An­dro­hung oder tat­säch­li­che Aus­übung von Ge­walt si­cher­ge­stellt. Wel­che (recht­li­chen) Mög­lich­kei­ten gibt es diese Aus­beu­tungs­ver­hält­nis­se nach­hal­tig zu be­kämp­fen? Wel­che Rolle kommt dem Staat bei der Be­kämp­fung ir­re­gu­lä­rer Be­schäf­ti­gungs­for­men zu? Dar­über be­rich­tet Mihai Balan vom Eu­ro­päi­schen Ver­ein für Wan­der­ar­bei­ter­fra­gen e.V. (EVW). Der Ver­ein setzt sich seit 2004 für die Rech­te von Wan­der­ar­bei­tern ein und konn­te be­reits mehr als vier Mil­lio­nen Euro aus­ste­hen­de Löhne durch­set­zen und an ge­prell­te Wan­der­ar­bei­ter aus­zah­len.

Pa­zi­fi­zie­rung pro­su­mie­ren: Mit-​Mach-​Neo­li­be­ra­lis­mus im Zei­chen von SOS (Volker Eick)

Im Rah­men ur­ba­ner Neo­li­be­ra­li­sie­rung ist „Si­cher­heits­po­li­tik“ schon seit ge­rau­mer Zeit keine rein staat­li­che Ver­an­stal­tung mehr, son­dern um­fasst – in ko­ope­ra­ti­ver, ko­op­ti­ver, kol­la­bo­ra­ti­ver und kon­kur­ren­ter Form – eine Viel­zahl von Ak­teu­ren. In dem Work­shop be­steht Ge­le­gen­heit, einen Be­griff von Neo­li­be­ra­li­sie­rung zu ge­win­nen, sich mit di­ver­sen For­men ur­ba­ner Pa­zi­fi­zie­rung – auch im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich – aus­ein­an­der­zu­set­zen sowie wei­te­re Fra­ge­stel­lun­gen zu ent­wi­ckeln.